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wurde 1977 in Saillon/Wallis geboren. Er absolvierte den Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin. Für sein erstes Stück „Farben“ erhielt er 2001 den Dramatiker-Förderpreis des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. Seine folgenden Theatertexte wurden an der Comédie de Genève („geneva.lounging, 2002), während der EXPO 02 auf der Arteplage („13“, 2002), am Théâtre Le Public Brüssel („Sand“, 2003), am Théâtre St. Gervais in Genf („Supporter les Visites“, 2005) und wiederum an der Comédie de Genève („rien qu’un acteur“, 2006) uraufgeführt. Von 2006 bis 2009 war Mathieu Bertholet Hausautor am Théâtre Grütli in Genf. Während dieses Engagements trat er auch als Tänzer in Solochoreographien von Cathy Acjer und Foofwa D’Imobilité hervor und gründete seine eigene Theatercompagnie mufuthe, mit der er seine vier letzten Stücke zur Uraufführung brachte („Sunset Piscine Girls“, „Shadow Houses“, „Case Study Houses“ und „Sainte Kümmernis“. Daneben arbeitet er als Übersetzer, lehrt Szenisches Schreiben an der ENSATT in Lyon und Studienleiter an der Schauspielschule La Manufacture in Lausanne. Für die Hörspielfassung seines Stückes „Farben“ erhielt Mathieu Bertholet im Dezember 2009 den renommierten Prix Europa.
„L’avenir seulement“, das Stück , das er im Rahmen des Stück Labor Basel entwickelt, wird er selbst im Januar 2011 als Koproduktion seiner Compagnie mit dem Théâtre Gennevilliers Paris und dem Théâtre Grütli inszenieren.
„Rosa Luxemburg verbrachte während des ersten Weltkrieges 1213 Tage im Gefängnis. Tage allein in ihrer Zelle. Tage mit ihren Büchern. Tage, an denen sie den Geräuschen der Strasse durch das Gitter horchte. Tage voller Vorfreude. Tage voller Schmerz über ihre zurückgekehrte Einsamkeit.
Jeden Tag denken. Über eine andere Welt. Eine bessere Welt.
Das Theater ihrer Gedanken ausbreiten, ausleuchten: die Besuche von Marx, von Leo Jogiches, ihrem Geliebten, von Wladimir Iljitsch Lenin, von Clara Zetkin, von dieser jungen Mutter mit dem schreienden Kind dort drüben im Hof. Die Vögel draussen am Himmel. Die Blumen, die sie im Gefängnishof züchtet. Diese Briefe, die enttäuschen, weil man zu lange gewartet hat, um sie zu öffnen… Die Erinnerung an die Zeit davor
Rosa Luxemburg glaubt. Kämpft. Opponiert. Fechtet an. Schreibt. Schreit. Überzeugt. Verteidigt. Öffentlich. Privat. In Gewerkschaftscafés. In Zeitungen, die sie redigiert, gründet, rettet.“ (Mathieu Bertholet)
Rosa Luxemburgs beinahe vierjährige Inhaftierung ist der äussere Rahmen des Stücks, in dem Mathieu Bertholet ausgehend von der Biografie der deutschen Revolutionärin die aktuelle Frage nach der Notwendigkeit von politischen Utopien stellt.
Ausschnitt
eine frau in zamosc geboren
eine frau gestorben in berlin
ermordet
eine frau in zamosc geboren
eine frau gestorben in berlin
ermordet
sie rosa wer rosa
ich rosa
ich weiss nicht
ich rosa ich erfasst
in meinem hinken
in meinem denken
in meinem denken
in meinem hinken
einer jüdin
eine frau in zamosc geboren
eine frau gestorben in berlin
ich rosa ich ertrunken
ermordet
januar
19
19
am 15. erschossen
am 31. rausgefischt
fünf monate später
eine frau in zamosc geboren
eine frau gestorben in berlin
ermordet
landwehrkanal
ertrunken
sie rosa wer rosa
ich rosa
was ist denn
diese rosa
was ist denn
mit der zukunft
sie rosa wer rosa
die zukunft
nur
wird
recht geben
sie rosa
ihr recht geben
Werkstattaufführung
am 11. Juni 2010, 19.00 Uhr
Szenische Einrichtung: Laura Huonker
Mentor: Ulf Frötzschner
Bühne: Martina Ehleiter
Kostüme: Ladina Bosshard
Mit Katka Kurze, Carolin Schär, Urs Bihler, Gunther Kaindl, Walter Küng
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