Sandra Forrer
Sandra Forrer wurde 1980 in Schaffhausen geboren. Seit 2001 lebt, arbeitet und studiert sie in Bern (Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Bern). Sandra Forrer schreibt Theatertexte und ist als Dramaturgin tätig. 2000 nahm sie an der ASTEJ-Schreibwerkstatt „Schreiben für die Bühne“ und 2002 am Workshop „Stückanalyse“ des ITI teil. 2004 gründete sie zusammen mit Sibylle Heiniger den Theaterverein PRODUKTION HEINIGER/FORRER (2004: "gleichzeitig" von Jewgeni Grischkowez, Spiel: Wowo Habdank, 2006: Anrufung des Herrn. Szenen zum Abschied von Martin Heckmanns).
Kontakt:sandraforrer@gmx.ch oder sandra.forrer@stuecklaborbasel.ch
Let’s Apocalypse Now, My Friend
This is the end, my only friend, the end...
Bob, eine Mischung aus Showmaster und Heilsverkündiger, beschwört das nahende Ende der Welt herauf. Während seine Jünger sich zum Endzeit-Chor formieren, stellt sich die Frage: Wer ist dieser Bob und kann man ihm trauen..?
Sandra Forrer setzt sich in ihrem Stück „Let’s Apocalyse Now, My Friend“ mit der grassierenden Endzeitstimmung in der Öffentlichkeit auseinander. Sie untersucht die Verführbarkeit für apokalyptische Visionen religiöser Extremisten jeglicher Couleur, die von interessierten Kreisen für ihre machtpolitischen Ambitionen instrumentalisiert werden.
Bob:
Bitte, der Chor
Jetzt
In Position:
Die Vorahnungen
Chor zum Publikum:
Wir haben etwas Kleines für Sie vorbereitet
Bob:
Eine düstere Stimmung braut sich zusammen...
Chor:
...das Pfeifen des Windes...
...das Tosen des Meeres...
...das Prasseln des Regens...
Bob:
Es wird noch düsterer...
Chor:
...das Kreischen der Vögel...
...das Heulen der Wölfe...
...das Schreien der Menschen...
Bob:
Es wird düsterer, noch viel, viel düsterer...
Markus:
Die Sonne verdüstert sich, ja der ganze Himmel verdüstert sich, alles wird dunkler und dunkler
Monika:
Und mir wird schwerer und schwerer ums Herz
Patrick:
Enger und enger um den Hals
Chor:
Hilfe...
Bob:
Weiter, düster weiter
Katrin:
Hilfe...äh...äh...ich habe eine Vision...ich...äh...ich sehe Vögel, die kreisen über meinem Kopf, ihre Flügel berühren mich, aber ich kann sie nicht vertreiben, sie setzen sich auf meinen Kopf und verkratzen mein Gesicht. Ich blute
Markus:
Wie grauenhaft
Patrick:
Ich habe eine Vision. Ich sehe zwei Vögel, die fliegen ganz hoch und trotzdem sind sie riesig, sie setzen sich auf einen hohen Turm und wollen dort ihr Nest bauen, aber sie sind zu schwer, sie erdrücken den Turm, er bricht ein und sie begraben ihn unter sich
Markus:
Ich habe eine Vision. Ich sehe zwei Flugzeuge, die fliegen in zwei hohe Türme und die ganze Welt stürzt ein
Katrin:
Du hast keine Vision. Das ist schon passiert.
Markus:
So geht aber mein Text
Katrin:
Trotzdem kannst du nicht sagen, du hast eine Vision, wenn es schon passiert ist
Markus:
Doch, ich schwöre, ich habe das gesehen in meinem Traum. Ich schwöre, ich habe es gesehen und ich wusste nichts davon. Erst später habe ich gehört, was passiert ist, im Radio, im Fernsehen, da habe ich meinen Traum gesehen. Es war ein wunderschöner Tag. Der Tag, an dem mein Traum geboren wurde
Karla Maeder, Dramaturgin am Stadttheater Bern, über “Let’s Apocalypse Now, My Friend”:
Am Anfang waren ein Titel, ein Thema und eine Menge Text – gedacht als Exposé zu dem vorliegenden Stück. Also: viel Theorie und wenig Theater. Die jüngste der hier versammelten Autorinnen und Autoren ist, wie sie selber sagt, „auf der Suche nach einer Form“, und diese will dem Stoff jedes Mal regelrecht abgerungen werden. Seit 2001 lebt die gebürtige Schaffhausenerin in Bern. Sie arbeitet für ihren Lebensunterhalt in einem Labor, studiert Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie, ist Gründerin, Produzentin und Dramaturgin des Theatervereins „Produktion Heiniger/Forrer“ und hat ein knappes Dutzend kürzere und längere Theaterstücke geschrieben, die sie noch ohne die Unterstützung eines Verlages publiziert. Im Gespräch ist sie erfrischend ineffizient. Von der Endzeitstimmung in der westlichen Welt geht es nach Ägypten und zurück in die Reitschule; mit Umwegen über das Thema ihrer Lizenziatsarbeit zur Apokalypse. Die Ereignisse nach dem 11. September haben sie zu diesem Stück inspiriert, seine Form folgt dem biblischen Verlauf der Apokalypse. Sandra Forrer schreibt mäandrierend, bahnt sich ihren Weg durch Massen von Text, den sie morgens schreibt und abends wieder verwirft. Sie fängt irgendwo an und kommt anderswo raus. Das anfänglich theorielastige Textkonvolut gibt schnell sein komisches Potenzial frei, Situationen und Figuren entstehen, der Alptraum wird zur Show, der Antichrist zum Master of Ceremony – die Apokalypse kann kommen!
Karla Maeder gehört seit der laufenden Spielzeit als Dramaturgin zum neuen Team am Stadttheater Bern unter Schauspieldirektor Erich Sidler. Sie war massgeblich an der Konzeption und Durchführung des Autorenprojektes "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde" im März 2008 beteiligt.
Szenische Einrichtung: Antje Thoms
Antje Thoms wurde 1976 in Stralsund geboren. Seit 2003 arbeitet sie als Regisseurin und als Autorin Karla Ernst. Nach dem Studium der Angewandten Theaterwissenschaften in Giessen arbeite sie ab 1999 als Regieassistentin am Niedersächsischen Staatstheater Hannover, u.a. mit Jossi Wieler, Luk Perceval, Sebastian Nübling, Elias Perrig und Andreas Kriegenburg. Neben eigenen Projekten hatte hier ihre Debüt-Inszenierung LUCIA SCHMILZT von Oscar van den Boogard als Deutsche Erstaufführung Premiere. Seit 2003 arbeitet Antje Thoms als freie Regisseurin und Autorin, u.a. in Hannover, Zürich, Basel, Köln, am Deutschen Theater Göttingen, dem Theater Ulm, dem Stadttheater Bern und dem Saarländischen Staatstheater. Mit ihrer Zürcher Freien Gruppe TRAININGSLAGER, CH widmet sie sich der Uraufführung zeitgenössischer Schweizer Autoren. Am 15. Mai hatte ihre Uraufführungsinszenierung von Jens Nielsens Stück „Tag der Dachse“ am Theater Winkelwiese Premiere.
Mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Theater Basel und Gästen
Am Samstag, 31. Mai, 17.00 Uhr, im Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3
Anschliessend: Ad Hoc – Reinhardt Stumm im Gespräch mit der Mentorin Karla Maeder